| zurück zur Übersicht | |
| copyright Pforzheimer Zeitung/Mai 2006 Barbara Munker |
Neil Youngs neues Album ist ein wütender Protest gegen den Irakkrieg
Kampfansage an die Bush-Regierung
SAN FRANCISCO. Neil Young hatte es satt, auf einen jungen Musiker zu warten, der den Mund aufmachen und Washington die Stirn bieten würde. „Ich habe lange gewartet. Dann kam ich zu dem Schluss, dass es vielleicht die alte Generation aus den 60er-Jahren tun muss“, erklärt der ergraute kanadische Folkrocker. Das Ergebnis ist „Living With War“, eine Kampferklärung an die Bush-Regierung, ein wütender Protest gegen den Irakkrieg und mitfühlende Worte für die Soldaten und ihre Familien. Das Album, das Young selbst seinen „Metal-Folk-Protest“ nennt, kam gestern in Deutschland auf den Markt.
Die „Times“ preist das Album als die „bis heute stärkste unmissverständliche Verurteilung des Irakkriegs durch eine Pop- Musikgröße“. Der Altrocker nimmt tatsächlich kein Blatt vor den Mund. In dem Song „Let's Impeach the President“ fordert er die Amtsenthebung des US-Präsidenten. Er bezichtigt George W. Bush der Lüge und der Irreführung.
In „Living With War“ verspricht Young, sich keiner Gedankenpolizei zu beugen. In „The Restless Consumer“ wehrt sich der Barde mit „Don't Need No More Lies“ gegen Lügen. Er besingt falsche Angaben über Massenvernichtungswaffen, gescheiterte Kriegsstrategien und die Notwendigkeit, einen neuen Präsidenten zu finden, „...vielleicht eine Frau oder einen Schwarzen“.
Nach den sanften Folkklängen in Youngs letztem Album „Prairie Wind“ schlägt er jetzt einen rohen, unpolierten Ton an. Dabei wird er in vielen der zehn Songs von einem hundertköpfigen Chor unterstützt. In weniger als drei Wochen im März und April zimmerte er die Platte zusammen. Er habe einfach impulsiv gehandelt, zitiert ihn die „New York Times“. „Es ist schneller zu Stande gekommen, als ich es je zuvor erlebt habe, es rollte wie eine Welle aus mir raus.“ Auch die Kritiker waren schnell zur Stelle. „Wo bist du denn so lange gewesen, Neil?“, frotzelte die „Washington Post“ über das späte Antikriegsalbum. Ein „Fox News“-Kommentator hielt dem gebürtigen Kanadier prompt unter die Nase, dass er ausgerechnet das Land durch den Schmutz ziehe, dass ihn reich gemacht habe.
„Ich mache nur von meinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch“, verteidigte sich Young beim Sender CNN. Und nach „Living With War“ wirft ihm keiner mehr Wankelmütigkeit vor. „Die erstaunliche Dreistigkeit dieser Platte ist nach jahrelanger Ängstlichkeit in den oberen Rängen der Pop-Welt richtig erfrischend“, hält im die „Times“ zu Gute. Im Sommer will Young seinen Protest auch Live auf die Bühne bringen, wenn er mit Crosby, Stills, Nash & Young bei der „Freedom of Speech“-Tour die Redefreiheit zelebriert.