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| copyright Frankfurter Neue Presse/Mai 2006 Hadayatullah Hübsch |
Neil Young - Living With War
So radikal war er selten
Mit schweren, rauen Gitarrenklängen unterlegt Neil Young „After The Garden“, den ersten Song seines neuen Albums „Living With War“, und drückt so knallhart die Bedrohlichkeit aus, der er sich ausgesetzt fühlt.
Zwar ist der Rock-’n’-Roll-Draufgänger, der sich nie viel um die Erwartungshaltungen gekümmert hat, Kanadier, aber die gesellschaftliche Situation in den USA hat ihn so aufgebracht, dass er innerhalb von nur zwei Wochen zehn Songs geschrieben und aufgenommen hat, mit denen er eine neue Politik fordert.
Da beschwört er den alten „Hippie Highway“, als man noch vom Frieden schwärmte und der Vision eines alternativen Lebensstils nachträumte. Da fordert er einen neuen Führer und meint „vielleicht auch mal eine Frau, oder nach all dem ein Schwarzer?“.
Und er bewundert und klagt: „Amerika ist schön, aber hat auch hässliche Seiten“. So radikal hat Neil Young sich selten geäußert, doch, heißt es in „The Restless Consumer“, nun habe er genug von den Lügen. Dass er sich damit in die Nesseln setzt, nimmt er in Kauf.
Ihm geht es um die Wahrung des amerikanischen Traums von der Freiheit, für die er zuletzt nach dem 11. September auf die Musik-Barrikaden gestiegen war. Und bringt zum Schluss seiner Klagelieder sein Arrangement einer alten US-Gospel-Hymne. Seinen wütenden, aber auch zärtlichen Aufstand verpackt er auf bewährte Weise: simple, aber eingängige Melodien, klare, einfache Botschaften in Texten und Rhythmen, die haften bleiben. Indes, weil es schnörkellos kommt und mit einer Stimme, die so klingt, als hätte sie Sorgenfalten geworfen und doch die Süße der Hoffnung nicht verloren, wirkt es echt und ehrlich.
Nach Angaben der Firma Warner wird diese CD ohne Kopierschutz verkauft.