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| copyright SWR 3/September 2004 Helmut Milling |
Neil Young als Regisseur und großer Songwriter
Neil Young hat seinen Platz im Rock-Olymp sicher. Er ist anerkannter Songwriter, will heißen Geschichtenerzähler. Und er ist immer für eine Überraschung gut. Im Frühjahr 2003 kam er unverhofft auf Europa-Tournee „A very special evening: Solo and Acoustic“. Dort erfahren wir erstmalig die Geschichte von der Kleinstadt „Greendale“ und dem Familienclan der „Greens“. Er ist selbst erstaunt über seine neuen Songs, die zum ersten Mal mit namentlichen Charakteren bevölkert werden, und die zusammen das Mosaik der Stadt Greendale ergeben. Ein unvergesslicher Abend, zwei Stunden Spannung pur. Im Herbst erscheinen dann die Songs auf der CD „Greendale“, gepaart mit kurzen Erläuterungen.
Neil Young erschafft eine ganze Stadt
Und nun erscheint recht unauffällig eine DVD: „Greendale“ - der Film. Neil Young in den Fußstapfen von Truffaut oder Hitchcock? Nein, er bleibt sich treu. Immer noch der verlässliche Songschreiber. Nur hat er hier etwas Neues ausprobieren wollen:
Die bekannten „Greendale“-Songs werden illustriert, bebildert. Es geht dabei um mehr als einen simplen Videodreh. Und das Ganze schafft er, scheinbar mühelos, unter Mithilfe von Freunden und Bekannten.
Gleich im ersten Song “Falling From Above“ begegnen wir den tragischen Helden der Geschichte: Grandpa und Cousin Jed, sowie der Tochter der Familie Green, Sun Green, der Hoffnungsträgerin.
Und die Lyrics zeigen auch den Weg: “A little love and affection...will make the world a better place“. Neil Young hat die Vision einer besseren Welt. Aber die Idylle ist in Gefahr:
Auch das beschauliche Küstenstädtchen Greendale bleibt nicht vom Teufel verschont.
„We got to save Mother Earth...“
Stichwort: Ölraffinerie contra Fischerboote. Cousin Jed löst mit einer Kurzschlusshandlung weiteres Unheil aus. Sensationshungrige TV-Teams bedrängen Grandpa, der daraufhin eine Herzattacke erleidet.
Diese Songinhalte werden anschaulich, plastischer durch den Film. Es ist eher so, dass die Bilder, Momentaufnahmen im Leben der Familie Green, die Songs untermalen und nicht umgekehrt.
Keine herkömmliche Art von Film also, wie Neil Young im Interview gesteht. Und doch ist dieser mit viel Enthusiasmus und Liebe zum Detail entstanden. Und die Bilder verleihen den Songs eine weitere Dimension. Die Geschichten erscheinen wirklichkeitsnah, erlebbar, und doch bleiben sie Fiktion. Die Hauptfigur ist wohl die 19-jährige Sun Green, Highschool-Absolventin mit Spezialgebiet Alaska. Sie erlebt den Prozess der Loslösung von Familie und Kleinstadt. Sie protestiert gegen Missstände und wird missverstanden. Erst in Earth Brown findet sie einen Gleichgesinnten. Beide machen sich auf nach Alaska, um zu retten, was noch zu retten ist. Neil Youngs Vision wird deutlicher im letzten Song „Be The Rain“: „Save the planet for another day...we got to save Mother Earth”. Das Ganze wird hinausposaunt, via Megaphon, und findet statt auf einer Theaterbühne, „Greendale“ in Miniatur, sozusagen.
Neil Youngs Sympathie zu Geenpeace und Farm Aid wird offensichtlich
Man fühlt sich zurückversetzt nach Woodstock, als der damals unbekannte junge Neil Young von der „Supergroup“ Crosby, Stills, Nash zum Mitmusizieren eingeladen wurde. Youngs Liebe zur Natur tritt allenthalben zutage. Mutter Erde muss vor Zerstörung und Willkür bewahrt werden, die Sympathie gegenüber Greenpeace oder Farm Aid kann Mister Young nicht leugnen.
Auch für denjenigen, der die Songs schon kennt, ist diese DVD eine Bereicherung. Und wohlgemerkt: Es handelt sich nicht um plakative Videoclips.
Sehr schön sind auch die Bonus-Features: Die Interview-Parts mit vielen beteiligten Akteuren, so der Nashville-Musiker Ben Keith (Grandpa) und seiner Frau. Hier wird klar, dass Neil die „Schauspieler“ mit viel Bedacht ausgesucht hat.
Außerdem gibt es Songtexte zum Nachlesen, einen Familienstammbaum, Kurzbios der Charaktere. Und „last but not least“ eine fulminante Liveversion von „Be The Rain“ inclusive
Neil himself und der Band Crazy Horse.