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| copyright WDR/November 2005 WDR.de |
Neil Young wird 60
Folk-Sänger und "Pate des Grunge"
Seit 40 Jahren gehört er zu den Größten des Musikgeschäfts: Nasale Stimme, dahingestolperte Riffs auf der Akustikgitarre und eindringliche Texte machen Neil Young unverwechselbar. Am Samstag (12.11.05) wird er 60 Jahre alt.
"In seinen Songs ist man sofort zu Hause", behaupten Kritiker. Für seine Fans hat der experimentierfreudige Kanadier trotzdem immer wieder eine Überraschung parat. Vom Liedermacher mit sanften Folk-Balladen und Anti-Kriegssongs entwickelte er sich über Hard-Rock-Rhythmen in den späten 70ern zum Punk-Pionier und "Pate des Grunge". Für das Musik-Magazin "Rolling Stone" gehört er zu den besten 100 Gitarristen der Welt, das Magazin "Q" hat ihn auf die Liste der "50 Bands To See Before You Die" (2002) aufgenommen.
Letztes Album voller Todesahnungen
Er selbst hätte seinen 60sten Geburtstag beinahe nicht mehr erlebt. Im März 2005 war er an einem erweiterten arteriellen Gefäß im Gehirn operiert worden. Wenn die platzen, besteht akute Lebensgefahr. Kurz vor der Operation mit ungewissem Ausgang nahm Young sein jüngstes Studio-Album auf: "Prairie Wind" ist voller Todesahnungen. Die Krankheit hat zwar ihn geschwächt, aber nicht seine Lust, auf der Bühne zu stehen: Im Juli 2005 trat er bereits wieder beim Live-8-Konzert in Toronto auf.
Karriere begann in den 60er Jahren
Seine Wurzeln hat Young im Folk und Country: Mit der Band Buffalo Springfield wurde der 1945 in Toronto geborene Musiker Mitte der 60er Jahre durch Songs wie "Broken Arrow", "I Am A Child" und "Mr. Soul" berühmt. Aber eine Band war nie genug für ihn. Mit Crosby, Stills, Nash & Young bildete er nach einem Auftritt beim legendären Woodstock eine Supergruppe. Zwar trennten sie sich nach einem erfolgreichen Live-Doppelalbum "Four Way Street" (1971) offiziell wieder, die Zusammenarbeit riss jedoch nie ab. Auch mit den Bands Crazy Horse und Stray Gators fand er sich über die Jahre hinweg immer wieder zu Musik-Projekten zusammen, auch wenn er viele Solo-Gänge machte.
Hymne der Anti-Kriegsgegner in den USA
Der kommerzielle Erfolg kam für Young mit dem Album "Harvest" (1972), die Single "Heart of Gold" setzte sich an die Spitze der internationalen Charts. Sein Song "Ohio", den er nach dem Tod von vier Studenten an der Kent State Universität bei Anti-Vietnam-Demonstrationen schrieb, wurde zur Hymne der Kriegsgegner in den USA.
Young hat sich auch immer eingemischt: Mit "No Nukes" protestierte er in den 70er Jahren gegen Atomwaffen, in den 80er Jahren initiierte er Farm Aid für Kleinbauern und in den 90ern Projekte für behinderte Kinder. Nach den Terroranschlägen 2001 beschäftigte er sich in dem Album "Greendale" mit Angst, Krieg und der politischen Situation in seiner Wahlheimat Amerika. Kritik übt der kanadische Sänger und Songwriter momentan auch an US-Präsident George W. Bush, dem er vorwirft, den Begriff des Patriotismus zu missbrauchen. "Der Begriff Patriotismus wurde von der Bush-Regierung verzerrt und auf den Kopf gestellt. Auf einmal bist du kein Patriot mehr, weil du nicht ihrer Meinung bist", sagte Young der "Welt am Sonntag". Er sehe keinen Widerspruch darin, Patriot zu sein und die Selbstherrlichkeit der Bush-Administration zu kritisieren.
Heute lebt Young mit seiner Frau Peggy und seinen drei Kindern auf einer Ranch in den Bergen um San Francisco, züchtet Pferde und Büffel, sammelt Modelleisenbahnen und Oldtimer. Dort will er auch seinen Geburtstag verbringen. Über sein Alter macht er sich keine Gedanken. "Man macht einfach weiter wie bisher", sagte er in einem Interview.