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| Sonic Youth |
Sonic Youth wurde etwa 1981 von Thurston
Moore, Kim Gordon und Keyboarderin Ann DeMarinis gegründet. Ihr
Stil zeichnet sich durch unkonventionelle Gitarrenstimmungen und das
Ablehnen jeglicher musikalischer Konventionalität aus. Das
Resultat des Bandschaffens war und ist eine reiche Klangwelt
experimenteller, emotional-assoziativer Musik. Der Sound von Sonic
Youth sprengt die Grenzen und widersetzt sich der Logik konventioneller
Rocksongs. Viele Werke ähneln daher in ihrem Aufbau eher
klassischer Musik, nicht zuletzt auch durch die vorherige
Tätigkeit der Bandmitglieder im E-Gitarrenorchester von Glenn Branca. Bestandteile sind das Ausloten dissonanter Grenzen und viel
Feedback.
Kein Wunder, dass das Neil Young gefallen kann:
"Offensichtlich mag ich Sonic Youth. Die sind definitiv eine moderne
Rock'n'Roll Band in meinen Augen. Die machen wunderschöne Musik.
Habt ihr "Expressway To Your Skull" gehört? Das ist unglaublich
gut. So wunderschön! Das ist ein Klassiker. Irre Melodie, und
besonders das live zu hören ist umwerfend. Sie haben einige Songs
in der Qualität. Also, das ist eine grossartige Band." [Guitars
Magazine 1992]
1991 engagiert Neil Young Sonic Youth als Vorgruppe für die Ragged
Glory Tournee (mit Crazy Horse). Dazu sagt er im Melody Maker:
"Ich wollte keine Gruppe, wo die Leute sagen: 'Oh, die ertrag ich
einfach oder lass es.' Ich wollte jemand haben, den die Leute entweder
lieben oder hassen. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen. Sonic
Youth sind da ganz weit draussen, mit dem, was sie tun. Und es ist
extrem ähnlich dem, was wir seit langer Zeit tun."
Zuerst wollte Sonic Youth absagen, weil sie nur als dritte Vorband
spielen sollten und sie versuchten sogar, Nirvana zu bekommen, aber
dann
bietet Neil Young ihnen an, direkt vor ihm und Crazy Horse zu spielen.
Zu Beginn der Tournee werden Sonic Youth fast von den eingefleischten
Neil Young Fans von der Bühne gebuht, weil Thurston Moore seine
Gitarre mit dem Schraubenzieher malträtiert und Kim Gordon den
Bass mit den Füssen spielt.
Aber die gemeinsame Tournee eröffnet der Avantgarde Rockband Sonic
Youth Zugang zu einem grösseren Publikum und verleiht Neil Young
Glaubwürdigkeit in der alternativen Rockszene. Auf Anregung Sonic
Youths hin veröffentlicht Neil Young 1991 das Album ARC als
Bonus zum Live-Album Weld.
ARC ist Neil Youngs Version von experimenteller Rockmusik. Es
besteht aus Rückkopplungsorgien, infernalischem Gitarrenkrach und
einzelnen Liedfetzen. Die ARC/WELD Tonträger und die Tour
mit Sonic Youth begründen seinen Ruf als Gottvater des Grunge.
In einem Interview 1993 [SonicYouth.com] sagt die Band über das
Touren mit Neil Young:
Interviewer: "Ich denke, es ist ungewöhnlich, dass ihr mit Neil
Young zusammen spielt, denn mit Neil Young spielen - er war lange Zeit
auf Geffen, oder?"
Kim Gordon: "War er das?"
Interviewer: "Ja, Kim der Rockgruppe Sonic Youth... Aber er wurde da
rausgeworfen
und wisst ihr, es ist euer Fehler, ihn wieder einzuladen: Wie kam diese
Zusammenstellung zustande? Ich meine, wieso ist der mit euch
Geffenianern befreundet, ihr seid doch Geffenianer?"
Lee Ranaldo: "Es ist letztendlich alles nur ein guter Schnorcheljob."
Interviewer: "Ein Schnorcheljob?"
Lee Ranaldo: "Ja."
Kim Gordon erzählt im Buch "I Dreamed of Noise" (Ignacio Julia,
Jaime Gonzalo): "Es war 1991 bei der Neil Young Tour das erste Mal,
dass ich je fühlte, wie es ist, als Mädchen in einer Band zu
spielen. Joni Mitchell tat mir wirklich leid. Ich meine, er selber ist
wirklich nett und alles, aber er ist eben Teil dieser
Generation und der Art des Denkens. Es sieht so aus, als hätte
sich das geändert, aber in gewissen Kreisen in der
Rockmusik, da ist es einfach da."
Über die Stimmung auf der Tour sagt sie: "Trotz all dem Sexismus
Ponchos, ich fand nicht, dass er schmierig war. Ich hielt ihn einfach
nur für verrückt" Sie sieht Neil Young als grossen
Manipulator, der intuitiv fast immer das richtige macht. "Er ist ein
Dreifach-Skorpion, oder?" Sie beschreibt das Umfeld Neil Youngs als
surreal, belebt von "sexistischen Macho-Schweinen. "Es hatte alles, was
ich über Rockmusik gehört hatte und ich hatte nicht geglaubt,
dass es das noch gab. Es war faszinierend." [Shakey]
"Jedesmal, wenn jemand Geburtstag hatte, wurden Stripperinnen
angekarrt."
Die Tour lief schwierig an, nicht nur weil Neils Techniker den Sound
Sonic Youths heruntermischten, bis Neil schliesslich einschritt,
sondern auch weil das Publikum mit den Klangexperimenten von Sonic
Youth zuerst nicht zurechtkam. Viel Kontakt zu Neil selbst gab es
wohl auch nicht. Nur selten tauchte er in ihrer Umkleide auf und
während eines gemeinsamen Abendessen dachte sich Thurston Moore,
wie wenig Neil Young eigentlich über Punkmusik wusste: "Er
hört keine Musik. Es kümmert ihn einen Scheiss. Was ihn
jedoch erstaunte, war, dass echter Rock'n'Roll in den Untergrund
gegangen war."
Als die Tournee voranschritt, wurde es besser. Neil Young baute sich an
den Klangexperimenten seiner Vorgruppe auf und versuchte sich bei
seinen eigenen übersteuerten Rückkopplungssoli vermehrt in
Dissonanzen à la Sonic Youth.
"Die Neil Young Tournee war das erste Mal, dass ich den Eindruck hatte,
wir stehen jetzt vor dem Mainstream", sagt Kim Gordon. "Da war dieses
ziemlich hinterwäldlerische konservative Publikum. Es war
interessant, denn ich fühlte es, als ob es das erste Mal
wäre, dass wir auf der Bühne stünden. Ich genoss es,
dass wir die Leute schocken konnten. Es liess uns uns wieder ganz jung
fühlen. ... Als ich ein paar Monate nach der Tour mit Neil sprach,
beschrieb er sie als eine fantastische Reise innerhalb eines Power-Gitarrenakkord."
Neil Young selbst, in seiner typisch hinterlistigen Art, und vielleicht
weil er einer jüngeren Band kein überzogenes Lob aussprechen
will, erklärt seine Liebe zu Sonic Youth so: "Ich wusste, dass,
wenn die Leute wussten, dass sie dabei waren, ihnen klar war, dass ich
keine akustische Show bringen würde." [Foege]
Heute (Mai 2006) sagt der Schlagzeuger Steve Shelley zu Neil Young's
neuem Album Living
With War: "Ich hab es erst ein paar mal gehört, aber es
gefällt mir wirklich gut, und mehr als dass es mir gefällt,
bin ich froh, dass er es gemacht hat. Ich bin echt froh darüber,
dass er diese Punkte anspricht. Ich bin ein totaler Neil Fan. Ich liebe
seine Musik. Weisst Du, die Ideen auf dem Album sind sehr einfach und
es sind solche, die viele von uns teilen, also denke ich nicht, dass er
mir irgendetwas neues mit der Platte beibringt, aber ich bin einfach
froh, dass es jemand wie er gesagt hat." [p funk]
Zusammenstellung, Übersetzung: BR.
Quellen
Sugar Mountain
Setlist pages
Thrasher's Wheat
wikipedia.de/Sonic
Youth
"Shakey: Neil Young's biography", Jimmy McDonough, Random House, New
York 2002.
Sonic Youth
homepage
ON
TOUR WITH NEIL YOUNG
"Confusion is Next", Alan Foege (1994)
Sonic
Youth Interview - In Smaller Steps, In Smaller Pieces, (May 2006), p funk
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