Im Oktober 1992 trafen Pearl Jam und Neil Young wohl zum ersten Mal
direkt aufeinander, als beide
auf
dem Bobfest - Bob Dylan Tribut in New York spielten. Angeblich lud da
Neil Young Pearl Jam auf das kommende Bridge School Benefiz (BSB)
Konzert ein. Am 11. November 1992 spielten Pearl Jam dann zum ersten
Mal auf dem 6. BSB (u.a. Jeremy, Black, Alive, Daughter).
Neil Youngs Musik beeindruckte Pearl Jam jedoch schon seit langem, wie
Stone Gossard
erzählt:
"Neil und Booker T. und die MGs zusammen spielen zu sehen,
war für alle von uns eine Offenbarung. Ein jeder grooved, die
Basslinie ist genau auf den Drumschlägen, die Gitarre ist da. Es
ist so viel Raum da, aber jeder hat seine perfekten Melodien und Teile
und seinen Platz gewonnen. Und das kommt daher, dass jeder
hineinschwingen und sein Zeug einweben kann in den Swing. Das war auf
jeden Fall inspirierend für uns und ich denke, wir haben
mindestens drei Stücke geschrieben, die ziemlich Neil-esque sind." [Guitar Player 7/1994 auf Five
Horizons]
Pearl Jam gewinnen 1993 vier MTV Music Awards 1993. Neil Young taucht
unerwartet auf spielt mit Pearl Jam Keep On Rocking In The Free
World zusammen, der Höhepunkt eines ansonsten faden Abends.
Die Verbindung mit Pearl Jam öffnet die Musik Neil Youngs einem
jüngeren Publikum, er wird zum "Godfather of Grunge". Wie
gross der Einfluss Neils auf die Grunge-Bewegung ist, zeigt u.a. in
Eddie Vedder's Rede bei der Einführung Neils in die Rock'n'Roll
Hall of Fame 1994:
"Er brachte uns als Band viel über
Würde und Leidenschaft und wie man den Moment spielt bei. Und wenn
ich die Reden über die Aufnahme von Janis Joplin und Frank Zappa
höre, dann, ahem, dass er noch immer hier ist. Und ich denke, ich
muss sagen, dass ich nicht weiss, ob es noch einen anderen
Künstler gibt, der in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen
wurde, um eine Laufbahn zu würdigen, die heute noch so lebendig
wie er selbst ist. Einige seiner besten Stücke sind auf seinem
letzten Album." [Five
Horizons]
Dave Marsh zitiert in einem Artikel 1998 im Musician Jeff Ament
über den Einfluss Neil Youngs auf Pearl Jam:
"Neil Young sagte was in der Richtung, wie weise wir
wären, weil wir wussten, wenn wir was nicht spielen sollten. Ich
weiss nicht, ob wir das zu dem Zeitpunkt wirklich wussten, aber
dass er es uns sagte, brachte uns dazu, zu erkennen, wie man zu dem
Punkt gelangen könnte."
Im Januar 1995 spielen Neil Young und Pearl Jam sein neuestes
Stück Act Of Love zusammen als Zugabe beim Voters For
Choice Benefit. In diesem Jahr wird die Zusammenarbeit noch enger, sie
arbeiten am neuen Album Mirror Ball. Als als am 24.
Juni 1995 Eddie Vedder auf dem Polo Field Konzert nach drei
Stücken wegen Krankheit aufgeben muss, springt Neil ein und spielt
mit dem Rest der Band Stücke aus dem neuen Album und etliche
seiner eigenen. Am 7. August 1995 erscheint Mirror
Ball
mit Jeff
Ament am Bass, Stone
Gossard Gitarre, Mike
McCready Gitarre, Jack
Irons Schlagzeug und Brendan O'Brien, der auch Produzent
ist, an Gitarre, Piano, Gesang. Eddie
Vedder steuert bei Peace and Love Gesang bei. Neil Young
und Pearl Jam ohne Eddie gehen mit dem Album den Sommer über auf
Europa-Tournee.
"Die Musik hatte ein Übereinstimmungsniveau, das sich
aufschaukelte", sagte Elliot Roberts. "Eine der besten Tourneen die wir
je in unserem Leben hatten. Neil hob jeden Abend ab." [Shakey]
Dean Stockwell berichtet vom Konzert in Dublin:
"Ich vergess das nie, bevor sie nach draussen zur Zugabe
gingen, kletterte Neil die Leiter zur Bühne hoch und drehte sich
zu den Jungs von Pearl Jam um. Sie streckten alle ihre Hände aus
und trafen sich in der Mitte, wie bei einer High School
Basketballmannschaft. Sie warfen ihre Hände hoch und runter und
riefen: 'Yeah! Let's go!' Ich sagte mir, warte, was geht da ab? Der
Mann ist 50 und er bringt die Jungs dazu, da rauszugehen wie eine
Mannschaft. Es ist nicht nur der musikalische Respekt für ihn, es
ist Liebe."
Neil Young selbst meint zur Arbeit mit Pearl Jam:
"Es war nicht das, dass sie gut waren; ich konnte mich mit
dem identifizieren, was ich mache, wenn ich mit ihnen spiele. Und ich
konnte mich selbst sehen, wie es passierte. Die Musik funktionierte.
Sie hatte diesen Antrieb. Da ist diese grosse Maschine darin. Ich mag
diese Energie. ... Ja, sie nennen mich nun Don Grungeone. Es passieren
grade diese väterlichen Dinge hier. Frag mich nicht, warum. Ich
bin einfach da, wo ich immer war und mache das, was ich liebe." [New
Musical Express, 1995]
Wegen Schwierigkeiten mit Pearl Jams Plattenfirma Epic konnte bei
Mirror Ball der Name Pearl Jam nicht auf dem Album stehen, auch
Eddie Vedder's Lieder konnten nicht darauf erscheinen. So wird das
Material (I Got ID, Long Road) am 5. Dezember 1995 auf der EP Merkin
Ball veröffentlicht.
Über die folgenden Jahre hinweg spielt Pearl Jam im Herbst auf den
BSB-Konzerten und unzählige Male Coverversionen von Neil Youngs
Stücken auf ihren Shows.
Beim 9/11 "Tribute to Heros Telethon" am 21. September 2001 bringen
Neil und Eddie Vedder zusammen ihr Long Road zum Besten.
Der Pop Music Kritiker Jim Derogatis
schreibt im Juni 2003 über Neil Young und Pearl Jam:
Zu einer Zeit, da nur wenige Musiker ein Publikum von
20.000 Leuten alleine mit ihrer Musik zusammenhalten können,
stehen Neil Young und Pearl Jam noch immer für eine einzigartige
Konzerterfahrung. Obwohl eigentlich eine ziemlich bedeutungslose
Plattitüde, wurde Neil Young oft als Gottvater des Grunge
bezeichnet, während das Quintett aus Seattle einer der
erfolgsreichsten Vertreter dieses Sounds waren, als sie Anfang der 90er
die Bühnen stürmten. Beide arbeiteten beim unbeeindruckenden
Album Mirror Ball zusammen.
Nach Dylan bleibt Neil Young die lebhafteste Ikone der 60er Jahre,
während Pearl Jam nun ein Anachronismus der Generation X ist
(deren 17 Millionen Nichtstuer sind seit langem schon verdrängt
von den 70 Millionen fröhlichen Konsumisten der Generation Y).
Aber trotz des Generationengrabens liegen ihre Verbindungen viel
tiefer.
...
Vielleicht liegt die bedeutsamste Verbindung zwischen Neil Young und
Pearl Jam in beider Anhängerschaft -- beide haben hingebungsvolle
bis besessene Fangemeinden, die sich dem Tauschen und Sammeln von
Konzertaufnahmen widmen, wo sie mit dynamischen und sich dauernd
ändernden Aufführungen belohnt werden -- und ihrem sturem
Bestehen auf dem eigenen Weg im Studio, im Guten wie im Schlechten.
Während die Geringschätzung der Künstler für Trends
und ihre Weigerung, ihre Musik auf die Anforderungen des Marktes
zuzuschneiden, einerseits bewundernswert ist, kann man schwer leugnen,
dass sie seit langem kein bedingungsloses Album mehr gemacht haben,
eines, das von vorne bis hinten grossartig ist. Youngs letztes
uneingeschränktes Meisterstück war Ragged
Glory (1990), und Skeptiker sagen, mit Pearl Jam ging es
seit Ten (1991) nur bergab, wo jedes Folgealbum, auch
letztjähriges Riot Act, soviel unnötige
Füllsel wie antreibenden Rock enthält.
...
Pessimistisches Gerede beiseite, falls da noch eine Verbindung zwischen
Neil Young und Pearl Jam ist, ist es diese: Beide Künstler
behalten es sich vor, unsere Erwartungen zu enttäuschen oder uns
aufs höchste zu überraschen.
Zusammenstellung, Übersetzung: Baron Rouge.
Quellen
Pearl
Jam auf Wikipedia
Five Horizons
Sugar Mountain
Setlist pages
Thrasher's Wheat
Lukin
"Shakey: Neil Young's biography", Jimmy McDonough, Random House, New
York 2002.
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